»Jakobistreifen« - Lösungen für Einbahnstraßen

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Auf einer schmalen Einbahnstraße im Stadtzentrum der nordrhein-westfälischen Stadt Soest wurde mittig eine Radspur markiert. Durch eine zweiseitige, unterbrochene Markierungslinie werden Radfahrende in der Straßenmitte, mit genügend Abstand zu parkenden Autos, geführt.

Ort:
Soest (Nordrhein-Westfalen)
Einwohner:48.000
Radverkehrsanteil:22 %
Kennung:Einbahnstraße

Da die Straße insgesamt nur einen Straßenquerschnitt von ca. vier Metern aufweist, haben Auto– und Busfahrer keine Möglichkeit, an den langsameren Verkehrsteilnehmern vorbeizufahren. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Gefahrensituationen zwischen Radfahrenden und sich öffnenden Autotüren oder eng überholenden Autofahrenden.

Insgesamt wird der Radfahrstreifen positiv angenommen. Radfahrende und motorisierte Verkehrsteilnehmer nehmen aufeinander Rücksicht. Und auch die Bewohner der Straße profitieren durch das geringere Tempo und den damit geringeren Schadstoffemissionen (Lärm & Abgase).

Aufgrund des Erfolges in der Jakobistraße wurde 2014 eine weitere Einbahnstraße in Soest mit einem Schutzstreifen ausgestattet.

Umsetzungsdauer:          keine genaue Angabe, aber schnell, nachdem es zu einem schweren Unfall mit einem Fahrradfahrer in der Straße kam
Jahr der Fertigstellung: 2008
Kosten:ca. 2.000 € (Markierung)
Umsetzung:Stadt Soest
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»Jakobistreifen« (pdf, 220 KB)

Weiterführende Informationen

Vor Kurzem gab es Diskussionen darüber, ob der sogenannte »Jakobistreifen« wieder entfernt werden müsse. Die Begründung der Bezirksregierung:

  • in Deutschland gelte das Rechtsfahrgebot
  • in Tempo-30-Zonen sei das Tempo aller Verkehrsteilnehmer so anzupassen, dass eine gegenseitige Gefährdung ausgeschlossen wird

Eine Expertenrunde aus Beteiligten der Stadt Soest, dem Kreis, der Bezirksregierung und des Verkehrsministeriums in Düsseldorf konnte sich im April 2016 darauf einigen, den Schutzstreifen zu behalten. Dass der Schutzstreifen die Sicherheit der Radfahrenden erhöhe, überzeugte letztendlich alle Beteiligten. Das Verkehrsministerium geht sogar soweit, einen wissenschaftlich begleiteten Verkehrsversuch durchzuführen, der die Sicherheit des Schutzstreifens näher untersuchen soll. Bei positiven Ergebnissen könnte dies sogar auf eine Gesetzesänderung hinauslaufen, so dass auch andere Städte solch einen Mittelstreifen markieren dürften.

Übrigens: im Mai 2013 erhielt die Stadt Soest für den »Jakobistreifen« den Deutschen Fahrradpreis in der Kategorie »Alltagsmobilität« . In der Jury saßen auch Vertreter des Landes und des Bundes. Heute heißt es, dass die Bundes- und Landesvertreter von den restlichen Jurymitgliedern in der Entscheidung überstimmt worden wären. Eine Beseitigung des Streifens wäre einem Schildbürgerstreich gleich kommen, da das Preisgeld für das Entfernen genutzt worden wäre.